März 12, 2020

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Patchwork – eine Begriffsbestimmung

Wir alle haben wahrscheinlich als Kinder diverse Märchen gehört, und sind in unserer Fantasie schönen Prinzessinnen, tapferen Helden, Drachen und bösen Stiefmüttern begegnet. Stiefmütter und –väter sind in all den Geschichten nicht gut weggekommen, eifersüchtig, habgierig, skrupellos und mit allerlei bösen Zaubern ausgestattet waren sie oft die Antagonisten zu unseren Helden.

Die negative Belegung ist geblieben, auch wenn mir in meiner Praxis sehr liebenswerte und umsorgende Stiefmütter und -väter begegnen. (Übrigens findet sich die Vorsilbe „Stief-„ sowohl in Mittel- als auch im Althochdeutschen und bedeutet so viel wie „beraubt“ oder „verwaist“. Kinder sind also ihrer Mutter beraubt worden und nun Stiefkinder einer neuen Mutter).

Der Begriff Patchwork ist neutraler. Patchworkdecken sind sehr kunstvoll gestaltete Decken, die aus verschiedenen “Flicken“ zusammengenäht werden. Sie sind bunt und meist sehr liebevoll gestaltet und damit ein perfektes Symbol für eine Patchworkfamilie, die sich zunächst bunt zusammengewürfelt anfühlt mit der Zeit aber ein wahres Familien-Kunstwerk werden soll.

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Patchwork- früher und heute

In meinem Stammbaum kann ich überraschend viele Patchworkfamilien finden. Mütter starben während der Geburt eins Kindes oder im Wochenbett. Die Väter, in meiner Familie, oft Bauern, heirateten erneut und wussten so ihre Kinder gut versorgt. Aber auch Männer starben in Kriegen und ließen eine Familie zurück, die versorgt werden musste. So ist es nicht verwunderlich, dass nach dem 2. Weltkind in Deutschland mehr Kinder in Patchworkfamilien lebten als heute.

Und habt ihr schon mal etwas von einer Onkel-Ehe gehört? Das waren Beziehungen nach dem 2. Weltkrieg, wenn unklar war, ob der Ehemann im Krieg gefallen oder in Gefangenschaft war. Frauen wusste über Jahre nicht, wo ihr Mann abgelieben war und oft genug erfuhren sie es gar nicht. Eine „Onkelehe“, eine Beziehung ohne Trauschein – damals fast ein Skandal – war die Lösung um Halt und Normalität zu finden.

Patchworkfamilie gab es also schon immer. Lediglich die Beweggründe waren anders. Früher war es oft der Tod eines Partners und somit ein Schicksalsschlag, der zu einer Patchworkfamilie führte. Heute ist es die bewusste Entscheidung gegen den aktuellen Partner bzw. eine Scheidung oder Trennung – und das ist vollkommen ok!!!

Hieraus ergibt sich aber eine weitere Besonderheit gegenüber früher: Niemand ist gestorben (auch wenn man dem anderen manchmal Pest und Cholera an den Hals gewünscht hat) und die leiblichen Eltern spielen nach wie vor eine Rolle in der Welt ihres Kindes.

Patchworkmutter

Wer gehört dazu?

Das Leben ist bunt und die Vielfalt an Patchworkfamilien ist so zahlreich wie die Muster in den schönen Patchworkdecken.

Patchworkfamilien sind zunächst mal Familien, in denen zwei Erwachsene zusammenleben und mindestens ein Partner ein oder mehrere Kinder aus einer früheren Beziehung ganz oder zeitweise – z. B. am Wochenende - in dieser Familie leben.

Das lässt sich beliebig erweitern:

  • Beide Partner bringen Kinder mit in die Beziehung,
  • ein Partner bringt eine eigenes Stiefkinder aus einer früheren Beziehung mit in die Familie,
  • es werden neue Kinder in der Patchworkfamilie geboren,
  • die getrenntlebenden biologischen Eltern können neue Beziehungen eingehen und auch hier kann der neue Partner Kinder in die Beziehung mitbringen oder es können eigene Kinder entstehen.

Ein Kind lebt somit in verschiedenen Familienwelten und muss sich häufig an neue Situationen anpassen. Klar wird aber auch, dass es DIE Patchworkfamilien oder DIE Familienkonstellation nicht gibt- Vielfalt ist eben bunt!

Der rechtliche Rahmen ist dabei vernachlässigbar, es ist also egal ob man geschieden, getrennt, verheiratet, in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft oder anders zusammenlebt.


Patchworkfamilien und Ex-Partner

Neben dem Umgangs- und Unterhaltsrecht gibt es noch viele andere Verbindungen vom getrennt lebenden Expartner auf die Patchworkfamilie. Aussehen und Gestik des gemeinsamen Kindes erinnern an den Ex. Er oder sie wird vermisst, Umgänge zu Geburtstagen und Ferien müssen geregelt werden. Und am allerwichtigsten: Er oder sie bleibt der Vater oder die Mutter des gemeinsamen Kindes.

Der ungeliebte Ex wird einen Einfluss auf die Patchworkfamilie haben, auch wenn das eher als störend empfunden werden. Dem Ex einen Platz in der Patchworkfamilie einzuräumen und eine Ebene zu finden, auf der man gut miteinander umgehen kann, ist für alle Seiten entlastend.


Gemeinsamkeiten in Patchworkfamilien

13 % aller Haushalte mit minderjährigen Kindern leben in Patchworkfamilien  [Quelle: bmfsfj] und bei aller Vielfalt, was die Familienkonstellation und Lebensumstände angeht, gibt es doch auch Gemeinsamkeiten.


Eine Patchworkfamilie zu gründen kostet viel Kraft und Energie

Es gibt wenig Hilfestellungen oder Anlaufstellen speziell für Patchworkfamilien und oftmals ist es eher Trial and Error und die Suche nach Dingen, die funktionieren. In Kernfamilien haben die Partner zunächst Zeit für sich, irgendwann wird das erste Kind geboren und man wächst mit und zusammen.

Patchworkfamilien müssen diese Schritte in viel kürzerer Zeit bewältigen und das obwohl die Rollen - wer also wo und wie dazugehört - häufig weit weniger klar sind als in einer Kernfamilie. Patchworkfamilien haben als lange KEINE gemeinsame Geschichte, diese muss erst wachsen und sich entwickeln. Auch gewachsene Rituale und Traditionen fehlen.


Alle Patchworkfamilien bringen eine Trennungsgeschichte mit, die sie verbindet. 

Trennungen wollen verarbeitet, Schuldgefühle und Verletzungen bewältigt werden. Und auch die Einflüsse aus der Kernfamilie bleiben. Da gibt es einen Ex-Partner, Großeltern, Freunde im alten Elternhaus etc. Ein Abstreifen des alten Lebens funktioniert nicht.

Auch die Ambivalenz von Kindern gegenüber dem neuen Lebenspartner ist ein häufig geteiltes Element in Patchworkfamilien. Darf ich den neuen Partner meiner Mutter nett finden oder verrate ich damit meinen eigenen Vater?. Kinder stecken besonders zu Beginn in starken Loyalitätskonflikten. Bringt der neue Partner ebenfalls Kinder in die Beziehung oder wird ein gemeinsames Kind geboren, müssen und auch noch Vorrechte verteidigt und Rollen neu gefunden werden. Teilen ist angesagt und das fällt nach einer Trennung mit entsprechenden Verlustängsten besonders schwer.


Omas, Tanten und Großväter – alles doppelt und dreifach 

Das soziale Netzwerk, das eine Patchworkfamilie umgibt, ist wesentlich größer, als das einer Kernfamilie, hierin liegt die Chance, das Kinder aus Patchworkfamilien leichter Ansprechpartner finden, bei denen sie sich verstanden fühlen – einen Onkel der mit seinem Neffen am Moped rumschraubt oder der Großvater der seiner Enkelin Schnitzen beibringt, oder die Oma, die immer einen Bonbon in der Tasche hat, Kinder finden, sofern man die Kontakte pflegt, schneller einen Menschen, der resilient wirkt und hilft mit den neuen Lebensumständen zurechtzukommen.


Patchworkkinder gehören mehrere Familien an 

und haben mehrere Lebensmittelpunkte (und auch die verschieben sich häufig mit der Zeit). Egal ob wöchentliches Pendeln, das Nestmodell oder Besuche an den Wochenenden, Patchworkkinder stellen sich regelmäßig auf ein anderes Familienleben ein - mit andern Menschen, anderen Regeln und anderen Werten. Das kann Vor- und Nachteile haben und mal mehr und mal weniger gut gelingen. Häufig spielt das Verhältnis und die Zusammenarbeit zwischen den Expartnern eine tragende Rolle und bestimmt, wie gut einem Kind dieses Leben in zwei Welten gelingt.


Besonders Patchworkmütter stehen unter großen Druck

Lehrer, Nachbarn und Bekannte führen häufig Probleme von einzelnen Familienmitgliedern auf die aktuelle Lebenssituation zurück („Das Kind vergisst ständig seine Hausaufgaben – kein Wunder bei DEN Familienverhältnissen!“). Und so wird oft die böse Stiefmutter an die Wand gezeichnet, die für alle Symptome verantwortlich sein soll. Aber wer möchte schon als böse Stiefmutter gelten? Also wird entweder der Umstand in einer Patchworkfamilie zu leben möglichst verschwiegen oder versucht, es allen recht zu machen, weit über die eigenen Leistungsgrenzen hinaus!


Wie wäre es, wenn wir, du und ich heute beginnen würden, neue Geschichten zu erzählen, von mutigen Frauen, die sich für eine Patchworkfamilie entscheiden und hier ihr Bestes geben?

 

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About the author 

Thorsten Köcher

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